Wertung der Redaktion:5/10
"Das Reset-Feature sorgt für jede Menge Frust"
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Test: Need for Speed: The Run - Im Rekordtempo quer durch die USA

Test: Need for Speed: The Run - Im Rekordtempo quer durch die USA
Mit The Run versuchen sich die Undercover-Macher von Black Box erneut an einem Need for Speed-Titel. Ob sich die Anschaffung lohnt, erfahren Sie im Test!

Die Idee klang bei der Ankündigung von Electronic Arts richtig vielversprechend: In Need for Speed: The Run dürfen wir an einem actiongeladenen Rennen quer durch die USA teilnehmen. Vom sonnigen San Francisco geht es 3000 Meilen durch die vielfältige Landschaft der USA an die Ostküste nach New York. Wer zuerst das Ziel erreicht, darf sich über ein Preisgeld in Millionenhöhe freuen. Need for Speed: The Run, für das die Undercover-Macher Black Box verantwortlich sind, soll aber nicht nur Racing-Action auf hohem Niveau bieten, sondern das Geschehen auf der Straße auch zum ersten Mal mit einer interaktiven Story kombinieren. Nach dem genialen Hot Pursuit von Criterion und Shift von Slightly Mad liegt die Messlatte hoch. Ob auch Black Box nach dem Totalschaden Undercover den Weg zurück auf die Spur findet und das Konzept eines Story-basierten Rennspiels aufgeht, erfahren Sie im Test.

Das finden wir gut

Wer Action liebt, wird bei The Run auf seine Kosten kommen. Black Box hat in einigen Abschnitten wirklich kräftig in die Trickkiste gegriffen und beschert uns so bislang einzigartige Racing-Momente wie zum Beispiel die Flucht vor einer riesigen Schneelawine oder einem auf unser Auto schießenden Helikopter. Auch die Fahrt durch einen U-Bahn-Tunnel, in dem wir herannahenden Zügen durch eine Stunteinlage an der schrägen Wand ausweichen müssen, treibt den Adrenalinspiegel noch weiter in die Höhe. Leider halten sich diese Momente aber in Grenzen. Trotzdem sind sie spannend und spektakulär umgesetzt und machen Spaß.

Dazu passt auch der gut gelungene Soundtrack, der uns an große Hollywood-Blockbuster erinnert. Die deutsche Synchronisation ist ok ausgefallen, wirkt allerdings sehr emotionslos. Auch die Geräusche der Motoren sind im Großen und Ganzen gut gelungen, lassen aber irgendwie den letzten “Bums” vermissen. Über eine entsprechend gute Surround- Anlage klingt Need for Speed: The Run aber insgesamt ganz ordentlich.

Zwar ist die Kampagne mit einer Netto-Spielzeit von etwa 2 Stunden sehr knapp bemessen, dafür darf man sich danach in den zig freigeschalteten Challenges auf Medaillenjagd begeben oder sich im Mehrspieler-Modus mit anderen Racern austoben. Und dann wäre da ja auch noch das aus Hot Pursuit bekannte Autolog-Feature, das den Spieler mit Zeiten der eigenen Freunde versorgt und so zum Wettkampf motiviert. Was den Umfang angeht, bekommen Spieler also ein reich gefülltes Paket.

Das finden wir weniger gut

Unter der Haube von The Run arbeitet die neue Frostbite-2-Engine von Dice, die auch schon in Battlefield 3 ihre Muskeln spielen ließ. In The Run sind diese jedoch komplett erschlafft. Zwar gibt es hier und da einige Lichtblicke wie schön anzusehende Lens-Flare-Effekte und ansehnlich gestaltete Fahrzeuge, im Großen und Ganzen schwächelt die grafische Präsentation aber an allen Ecken und Enden. Nicht selten fahren wir an extrem unscharfen und matschigen Texturen vorbei. Viele Objekte werfen sehr pixelige, flackernde Schatten, die Krönung ist aber das Cockpit des Protagonisten: Wer hätte gedacht, dass Lamborghini, Pagani und Co. eckige Lenkräder in ihren Supersportlern verbauen? Nein, mit dieser Engine wäre definitiv deutlich mehr möglich gewesen!

Resets oder Rewinds kennt man ja bereits aus anderen Rennspielen. Bei einem Fahrfehler oder Crash, der wertvolle Sekunden kostet und einen so um den möglichen Rennsieg bringt, kann man bequem “zurückspulen” und nochmal vom letzten Kontrollpunkt starten, um den Fehler einfach auszubügeln. In The Run werden die Rests automatisch ausgelöst, was uns nicht selten zur Weißglut getrieben hat. Grund hierführ ist die sehr strikte Streckenbegrenzung, die kleine Ausflüge in die Botanik sofort mit einem Reset zum letzten Kontrollpunkt bestraft. Wer meint, er könne in Kurven kurz ein kleines Stück auf die Wiese ausweichen, der wird sich wundern: Abseits der Straße droht sofort die Rückversetzung. Auf vielen Strecken verbraucht man die festgelegte Anzahl an Resets pro Versuch dank des meist fies hinter Kurven und Anhöhen lauernden Gegenver- kehrs im Nu und darf wieder von Anfang an beginnen.

Dank der Rests kommt man sich ab und an auch richtig veräppelt vor. Beispiel: Unser Gegner entflieht uns um 8 Sekunden. Zu langsam, sagt The Run und zündet einen Reset. Statt uns nun aber nach vorne oder nach hinten zu versetzen, wo wir eine Chance haben, wieder auf den Gegner aufzuschließen, werden wir immer an der identischen Stelle auf die Strecke geschmissen. Die Folge: Das Spiel löst innerhalb von wenigen Sekunden sämtliche zur Verfügung stehende Resets aus und das ohne, dass wir überhaupt die Chance hätten, irgendetwas an der Situation zu ändern. Black Box ist es einfach nicht gelungen, das Feature sinnvoll in The Run unterzubringen. Auf der einen Seite verlangt man vom Spieler, dass er mit 300 über enge Landstraßen mit Gegenverkehr fährt, auf der anderen Seite bestraft es ihn, wenn er dazu die Strecke voll ausnutzt. Das ist einfach nur ärgerlich und sehr sehr nervig!

Nicht weniger nervig ist die extreme Gummiband-KI von The Run. Nicht selten haben wir uns darüber gewundert, dass wir nach einer nahezu perfekten Fahrt auf den letzten Metern vor dem Ziel von einem Gegner überholt werden. Selbst wenn dieser zuvor gecrasht ist und wir uns so eine komfortable Führung von 7 bis 10 Sekunden herausfahren konnten, kann man sicher sein, dass die KI den Abstand im Nu wieder auf ein bis zwei Sekunden verkürzt um auf der Zielgeraden nochmal anzugreifen. Wer hier kein Nitro mehr im Tank hat, verliert.

In vielen Rennen scheint es aber auch völlig egal zu sein, wie wir zu Beginn des Rennens fahren. Gegen Ende der Rennen verliert die KI auf mysteriöse Art und Weise ihren Siegeswillen und lässt uns mit großen Schritten an sich heranfahren. Wer hier den Nitro-Tank voll aufgeladen hat, kann einfach auf dem letzten Kilometer die Führung übernehmen, auch wenn er zuvor hinter dem Feld gehangen hat. Die Krönung ist jedoch das letzte Rennen in New York: Hier dürfen wir uns auch schon mal mehrere Sekunden zurückfallen lassen, da unser letzter Gegner - wohl zur Fortführung der hauchdünnen Geschichte - auf uns wartet und wir trotz des großen Rückstands plötzlich wieder Kopf an Kopf mit ihm auf die Zielgerade biegen. Nach dem Überqueren der Zielgeraden hatten wir nicht das Gefühl, unseren Gegner aus eigener Kraft besiegt zu haben. Mit Racing hat das jedenfalls nicht viel zu tun, schade!

Apropos Geschichte: Auf die hätte Black Box auch komplett verzichten können. Protagonist Jack, der sich (warum auch immer) mit den falschen Leuten angelegt hat, wird von der schönen Sam Harper angeheuert, um an einem Rennen quer durch die Vereinigten Staaten teilzunehmen. Als Siegprämie locken 25 Mio. US-Dollar, die Jacks Probleme lösen könnten. Während der gesamten Solo-Kampagne erfährt man gar nichts über die Gründe für Jacks Probleme. Auch eine Entwicklung der Charaktere findet praktisch nicht statt. Die mit Quick-Time-Events angereicherten Zwischen- sequenzen dienen unterm Strich nur dazu, den nächsten Rennabschnitt einzuleiten. Auch am Ende wird nicht näher auf die Probleme Jacks und die Beziehung zu Sam eingegangen. Schade, dabei hätte das Thema des Spiels - eine Reise quer durch die USA - doch so viel mehr hergegeben.

Unser Fazit:
Nach Hot Pursuit und Shift haben wir nun auch endlich einen vernünftigen NfS-Titel von Black Box erwartet. Das Thema klang spannend und die Verwendung der Frostbite-2-Engine hat uns auf Großes hoffen lassen. Leider kann The Run diesen Erwartungen aber in keinem Bereich gerecht werden. Die Story ist so dünn, dass sie praktisch nicht vorhanden ist, das Reset-Feature sorgt für jede Menge Frust und optisch zeigt die Frostbite-2- Engine viel zu selten ihr Potenzial. Rechnen wir noch die extrem nervige Gummiband-KI und die zum Teil gescripteten und zum Teil monotonen Rennen hinzu, können wir einfach zu keiner höheren Wertung kommen. Doch auch am Ende des dunkelsten Tunnels gibt es noch ein bisschen Licht: Ganz so schlecht wie Undercover ist The Run nicht, allerdings ist man auch Meilenweit von Hot Pursuit und Shift entfernt. Und trotz der relativ kurzen Kampagne ist der Umfang dank der vielen Challenges und des Multiplayers üppig. Ob die Spieler dadurch länger bei der Stange gehalten werden können, darf allerdings bezweifelt werden.