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Test: Portal 2 - Wie geht’s denn hier zum Ausgang?

- Review:
- » Testsystem: PS3
- » Release: 19.04.2011
- » Publisher: Electronic Arts
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Eigentlich sollte das kniffelige Puzzle- Spiel Portal nur eine kleine Zugabe zur letzten Half-Life-Episode sein. Durch ein geniales Gameplay und ganz viele neue Ideen mutierte das Studentenprojekt mit Portal 2 zu einem großen AAA-Titel, der nun auf eigenen Beinen steht, sich aber den Charme eines Independent-Spiels bewahren konnte. Auch im zweiten Teil von Valves Portal finden wir uns im Körper der Protagonistin Chell in den Aperture-Laboratories wieder. Chell wacht in einer Art Hotelzimmer auf, was in der Realität jedoch ein Wohncontainer für Testpersonen der Aperture-Laboratories ist. Wie lange Chell darin geschlafen hat ist unbekannt - es war aber eine sehr lange Zeit, so viel ist sicher. Mit Hilfe des witzigen Nanobots Wheatley soll Chell die Flucht aus dem heruntergekommenen Aperture gelingen. Dumm nur, dass die zynische KI GlaDOS wieder zum Leben erwacht und uns das Leben mit vielen neuen Testkammern, die uns mit zunehmender Spieldauer mehr und mehr Hirnschmalz abverlangen, erschweren will.
Am Gameplay vom Vorgänger hat sich kaum etwas geändert: Auch in Portal 2 gibt uns Entwickler Valve eine geniale Portalkanone an die Hand, mit der wir in einige Oberflächen Portale schießen und so an eigentlich unerreichbare Orte gelangen können. Der Effekt ist auch im zweiten Teil immer noch verblüffend und nicht selten erwischt man sich dabei, wie man durch das eine Portal blickt nur um sich am Ort des anderen Portals selbst zusehen zu können. Für den zweiten Teil warten die Aperture- Laboratories jedoch auch mit einigen Neuerungen auf. So gibt es in den Testkammern nun auch Laser und drei verschiedene Gels, mit denen wir uns einen Weg zum Ausgang bahnen müssen. Mit einem Gel können wir wie auf einem Trampolin springen, mit dem anderen schneller Laufen und das dritte Gel ermöglicht es Portale in Wände zu schießen, in denen das zuvor nicht möglich war. Fast immer müssen die neuen Mittel miteinander kombiniert werden, um den Ausgang erreichen zu können. Insgesamt eine geniale Ergänzung zu den cleveren Portalen.
Lobenswert ist, dass sich Portal 2 nie zu leicht oder zu schwer anfühlt. Die Lernkurve ist äußerst gut ausgetüftelt und man wird über die ca. sieben Stunden Spielzeit im Solo-Modus nach und nach mit den neuen Möglichkeiten (Gels, Laser, etc.) vertraut gemacht. So kommt es selten bis nie zu ausweglosen Situationen, auch wenn einige der Puzzles um die Ecke denken erfordern. Im späteren Spielverlauf werden die Rätsel zwar deutlich anspruchsvoller, oft kommt nach einem anfänglichen “Wie bitte soll das denn gehen?” schon recht schnell ein “Ach soooo!”. Genau diese Erfahrungen helfen einem dann in den nächsten Rätseln weiter. Daher ist Portal 2 selbst für Portal-Neulinge zu schaffen.
Ein Highlight des zweiten Teils sind die beiden Charaktere Wheatley und GlaDOS - Protagonistin Chell selbst redet nie. Der oft ein wenig verwirrte, auf Schienen fahrende Nanobot Wheatley bringt uns im Originalton mit seinem britischem Akzent und den nicht immer für eine hochentwickelte KI logischen Entscheidungen im Minutentakt zum lachen. Im Kontrast dazu bietet die nachtragende KI GlaDOS, die Aperture unter Kontrolle hat, Zynismus pur. Vor und nach jedem Test empfängt uns GlaDOS mit ihren bissigen Kommentaren, die uns vor Augen führen, dass sie uns lieber tot als lebendig sehen würde, aber ihr macht es eben richtig Spaß, uns - natürlich nur zu Forschungszwecken - zu quälen. Nie zuvor war ein Spiel in der Machart wie Portal 2 so unterhaltsam.
Den Entwicklern ist es darüber hinaus gut gelungen, eine Story in den durch die sich ähnelnden Testkammern und die einheitlich graue Optik steril wirkenden Puzzle-Shooter einzufügen. Dank Wheatley und GlaDOS, die beide für reichlich Unterhaltung mit vielen Lachern, aber auch jede Menge Spannung und die eine oder andere unerwartete Wendungen sorgen, wird Portal 2 nie langweilig. So wird es auch zur Nebensache, dass die Grafik-Engine von Portal 2 langsam etwas veraltet ist. Ebenfalls erwähnenswert ist die Tatsache, dass uns Portal 2 einen Blick hinter die Kulissen des Forschungskomplexes von Aperture gewährt. So dürfen wir uns neben den Testkammern auch in den Außenbereichen bewegen, die einiges über die Organisation preisgeben.
Portal 2 ist fast makellos. Was dem Titel jedoch fehlt, ist eine Hilfe. Zwar sind die Puzzles allesamt lösbar, aber dennoch kann es vorkommen, dass man in einer Testkammer auch 20 Minuten noch keine Lösung gefunden hat. Zwar gibt es innerhalb der einzelnen Kammern kleine Piktogramme, welche die Funktion der einzelnen Gegenstände beschreiben, in einigen seltenen Fällen kann es aber dennoch vorkommen, dass der Funke nicht sofort überspringt. Hier wäre eine Art Hinweisfunktion für den absoluten Nachdenk-Notfall durchaus wünschenswert gewesen. Auch ein wenig mehr Freiraum hätte Portal 2 gut gestanden. In den meisten Kammern gibt es nur einen einzigen vorgezeichneten Lösungsweg.


