Einer aktuellen Studie der amerikanischen Universität Rochester zufolge fördern Ego-Shooter das Reaktions- und Entscheidungstempo.
Nach einer aktuellen Studie, die soeben im Fachmagazin “Current Biology” veröffentlicht wurde, können Spieler von Ego-Shootern schneller und besser die richtigen Entscheidungen treffen als Nicht-Spieler. Daphne Bavelier von der Universität Rochester im US- Bundesstaat New York erklärt, dass die Spieler bei Ego-Shootern nicht viel Zeit für Entscheidungen haben und stets auf der Hut vor plötzlich auftauchenden Gegnern sein müssen. So verlangen die Shooter von dem Spieler eine kontinuierliche Einschätzung der Situation und schnelle Entscheidungen. Diese Unvorhersehbarkeit und die Notwendigkeit, schnelle und vor allem richtige Entschei- dungen zu treffen, trainineren das Gehirn und genau diese Entscheidungsbereitschaft, so die Vermutung der Wissenschaftler, die in einem Experiment bestätigt wurde. Das Team um Bavelier teilte die 23 Probanden im Alter von 18 bis 25 Jahren, von denen keiner Erfahrungen mit Ego-Shootern hatte, in zwei Gruppen ein. Die 11 Probanden der ersten Gruppe sollte über einen Zeitraum von mehreren Wochen hinweg insgesamt 50 Stunden die Action-Shooter Unreal Tournament 2004 und Call of Duty spielen. Die 12 Probanden der zweiten Gruppe sollten im gleichen Zeitraum ebenfalls 50 Stunden lang spielen, allerdings wurde ihnen das Simulationsspiel Die Sims 2 zugewiesen, bei dem langsamere und strategische Entscheidungen gefragt sind.
Anschließend wurden die Teilnehmer beider Gruppen einem Test unterzogen, bei dem es darum ging, möglichst schnell die Bewe- gungsrichtungen von Punkten auf einem Bildschirm zu bestimmen. Beide Gruppen waren in diesem Test etwa gleich gut, was die Korrektheit ihrer Antworten betrifft, aber die Shooter-Spieler lösten die Aufgabe um bis zu 25% schneller als die Strategie-Spieler. Die Wissenschaftler glauben, dass das Spielen von Shootern die Verarbeitung von akustischen und visuellen Informationen fördert, so dass schneller richtige Entscheidungen getroffen werden können. Erstaunlich ist, dass die Effekte selbst bei jenen Spielern zu beobachten waren, die von den Actionspielen überhaupt nicht begeistert waren. Die durch die Shooter verbesserten Fähigkeiten könnten den Spielern nach Ansicht der Forscher auch im Alltag helfen, z.B. im Straßenverkehr. Anders als bei speziellen Lern- programmen würden die hier erlernten Fähigkeiten nämlich Grund- lagen betreffen, die leichter auf andere Situationen übertragen werden können. (mh)